Bäckereien gehören zu den energieintensivsten Betrieben im Handwerk: Öfen laufen ab 2 Uhr nachts, Kühlung läuft durchgängig, und viele Prozesse sind thermisch kaum optimierbar. Umso beeindruckender ist das Beispiel einer Familienbäckerei aus dem Münsterland, die zeigt, was mit systematischer Vorgehensweise möglich ist.
Der Ausgangszustand 2021
Die Bäckerei Hoffmann (Name geändert) betreibt eine Backstube und drei Filialen. 2021 zog Inhaber Thomas Hoffmann nach einer Energiepreisexplosion eine erste Bilanz:
- Jahresstromverbrauch Backstube: 142.000 kWh
- Jahresgasverbrauch (Backöfen, Heizung): 280.000 kWh
- Gesamtenergiekosten: 68.400 €/Jahr
- CO2-Emissionen (Scope 1+2): 87 Tonnen CO2e/Jahr
Maßnahme 1: Wärmerückgewinnung aus Backöfen (2022)
Die größte Einzelmaßnahme: Moderne Backöfen mit integrierter Wärmerückgewinnung wurden installiert. Die Abwärme der Öfen wird seitdem zur Backstubenheizung und Warmwassererzeugung genutzt. Investition: 38.000 € (KfW-Kredit + BEG-Förderung: 60 % gefördert, Eigenanteil 15.200 €). Ergebnis: Gasverbrauch sank um 35 % auf 182.000 kWh.
Maßnahme 2: LED und Kältemitteloptimierung in den Filialen (2022)
Alle drei Filialen erhielten neue LED-Beleuchtung und Kühltheken mit modernen Kältemitteln (R290 statt R404A). Mehrkosten gegenüber Standardausstattung: 12.000 €. Einsparung: 22.000 kWh/Jahr elektrisch.
Maßnahme 3: Photovoltaik auf der Backstube (2023)
Flachdach der Backstube (280 m² nutzbar): 60-kWp-Anlage installiert. Jahresertrag: ca. 52.000 kWh. Da die Backstube nachts produziert, wird ein Batteriespeicher (80 kWh) genutzt, um tagsüber erzeugten Strom für den Nachtbetrieb zu speichern. Eigenverbrauchsquote: 78 %. Investition gesamt: 82.000 € (30 % gefördert durch KfW 270).
Maßnahme 4: Fuhrpark (Lieferfahrzeuge elektrisch, 2024)
Drei Lieferfahrzeuge der Filialen wurden durch Elektrotransporter ersetzt. Trotz weggefallenem Umweltbonus: durch 0,25 %-Regelung und günstigen Eigenstrombezug von der PV-Anlage sank der Fuhrparkaufwand um ca. 4.200 €/Jahr.
Das Ergebnis nach 3 Jahren
| Kennzahl | 2021 | 2024 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Jahresstromverbrauch | 142.000 kWh | 78.000 kWh netto | –45 % |
| Jahresgasverbrauch | 280.000 kWh | 182.000 kWh | –35 % |
| Gesamtenergiekosten | 68.400 € | 35.600 € | –48 % |
| CO2-Emissionen | 87 t CO2e | 51 t CO2e | –41 % |
| Kumulierte Investition | – | 147.200 € (netto nach Förderung) | – |
Was hat Thomas Hoffmann gelernt?
„Die Förderberatung war entscheidend. Ohne den BAFA-Energieberater hätten wir nicht gewusst, welche Programme kombinierbar sind. Das hat unseren Eigenanteil auf etwas über 90.000 Euro gedrückt – das hätten wir sonst nie gemacht.“
Die Amortisationszeit der Gesamtinvestition liegt bei rund 7 Jahren – deutlich beschleunigt durch die gestiegenen Energiepreise seit 2022.
Was andere Bäckereien mitnehmen können
- Wärmerückgewinnung aus Öfen ist der größte Hebel
- Batteriespeicher + PV macht auch für Nachtproduzenten Sinn
- Förderprogramme kombinieren – BAFA + KfW + BEG sind nicht exklusiv
- Mit Energieberatung beginnen, nicht mit Einzelmaßnahmen




