Hitzeperioden, Starkregen und zunehmende Flächenversiegelung stellen Städte und Unternehmen vor neue Herausforderungen. Grünflächen übernehmen dabei längst mehr Aufgaben als nur die optische Gestaltung eines Standorts. Sie können Regenwasser aufnehmen, Hitze reduzieren, Biodiversität fördern und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität verbessern. Im Interview spricht Florian Scheidtmann, Geschäftsführer der Scheidtmann Gruppe aus Marl, darüber, wie sich der Garten- und Landschaftsbau verändert, welche Möglichkeiten Unternehmen auf ihren eigenen Flächen haben und warum nachhaltige Außenanlagen auch wirtschaftlich gedacht werden müssen.
Die Anforderungen an Außenräume haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Wo früher häufig Gestaltung und Funktion im Mittelpunkt standen, kommen heute Fragen der Klimaanpassung hinzu. Gerade in dicht besiedelten Regionen wie dem Ruhrgebiet treffen versiegelte Flächen, steigende Temperaturen und Starkregenereignisse auf einen gleichzeitig wachsenden Bedarf an attraktiven Freiräumen.
Für den Garten- und Landschaftsbau bedeutet das eine veränderte Rolle. Grünflächen werden zunehmend zu einem Bestandteil der Infrastruktur. Unternehmen und Kommunen müssen deshalb stärker darüber nachdenken, wie Außenanlagen langfristig funktionieren und welchen Beitrag sie für Klima, Menschen und Standort leisten können.
Vom traditionellen Landschaftsbau zum grünen Lebensraum
Herr Scheidtmann, Sie leiten die Scheidtmann Gruppe inzwischen in fünfter Generation. Was hat Sie persönlich dazu bewogen, in das Familienunternehmen einzusteigen, und wie hat sich Ihr eigener Blick auf grüne Räume über die Jahre verändert?
Für mich war der Einstieg in das Familienunternehmen vor allem die Entscheidung, die Geschichte, die über Generationen aufgebaut wurde, weiterzuführen und gleichzeitig selbst mitzugestalten. Scheidtmann gibt es seit 1910. Wir sind also seit mehr als 115 Jahren eng mit Marl und dem Ruhrgebiet verbunden. Diese Verbindung zu unserer Heimat ist für mich etwas Besonderes.
Gleichzeitig bedeutet Tradition für mich nicht, stehen zu bleiben. Unser Anspruch ist es, die Wurzeln zu bewahren und uns trotzdem kontinuierlich weiterzuentwickeln. Genau deshalb verbindet Scheidtmann heute traditionelles Handwerk mit moderner Technik, Innovation und einem deutlich gewachsenen Bewusstsein für Nachhaltigkeit.
Mein eigener Blick auf grüne Räume hat sich dabei ebenfalls verändert. Früher stand vielleicht stärker die Gestaltung im Vordergrund: Wie sieht eine Außenanlage aus und wie funktioniert sie? Heute denke ich viel stärker in Zusammenhängen. Ein grüner Raum muss Lebensqualität schaffen, ökologisch funktionieren, zum Standort passen und langfristig Bestand haben.
Für mich geht es deshalb längst nicht mehr nur darum, Grünflächen zu bauen, sondern Lebensräume zu gestalten, die Menschen und Natur miteinander verbinden. Das beschreibt auch unsere Leitidee sehr gut: „Wir bauen Heimat.“ Heimat entsteht für mich dort, wo Menschen sich wohlfühlen und wo Natur, Architektur und Lebensqualität zusammenkommen.
Wie hat sich der Anspruch an den Garten- und Landschaftsbau durch den Klimawandel aus Ihrer Sicht als Unternehmer im Ruhrgebiet in den letzten Jahren verändert?
Der Garten- und Landschaftsbau hat heute eine deutlich größere Verantwortung als noch vor einigen Jahren. Außenanlagen sind keine reine Visitenkarte eines Gebäudes mehr. Sie sind Teil der Infrastruktur einer Stadt und müssen zunehmend Antworten auf Hitze, Starkregen, Trockenheit und den Verlust von Biodiversität geben.
Gerade im Ruhrgebiet sehen wir, wie wichtig dieser Wandel ist. Wir arbeiten in einer dicht besiedelten Region, in der viele Flächen historisch stark versiegelt wurden. Gleichzeitig brauchen die Menschen attraktive und nutzbare Freiräume.
Unser Anspruch ist deshalb, bei der Planung stärker darauf zu achten, wie Wasser auf einer Fläche bleibt oder versickern kann, wo Bäume und Pflanzen sinnvoll eingesetzt werden können und wie sich versiegelte Bereiche reduzieren lassen.
Nachhaltigkeit gehört für uns mittlerweile ganz selbstverständlich zu einem guten Projekt. Wir müssen bei jedem Projekt an morgen denken. Der Landschaftsbau wird damit aus meiner Sicht immer mehr zu einem Bestandteil moderner Klimaanpassung.
Weniger Versiegelung und mehr Grün gegen Hitze und Starkregen
Was bedeutet Klimaanpassung durch Grün ganz konkret, und welche Maßnahmen wirken in Städten am schnellsten gegen Hitzeinseln?
Klimaanpassung beginnt häufig mit relativ einfachen Grundprinzipien: weniger versiegeln, mehr beschatten, Regenwasser vor Ort halten und Pflanzen dort einsetzen, wo sie einen echten Mehrwert schaffen.
Bäume spielen dabei natürlich eine zentrale Rolle. Sie spenden Schatten, verbessern das Mikroklima und machen öffentliche Räume überhaupt erst dauerhaft angenehm nutzbar. Aber es geht nicht nur um Bäume. Auch entsiegelte und begrünte Flächen, standortgerechte Bepflanzung und eine intelligente Regenwasserbewirtschaftung sind wichtige Bausteine.
Ein gutes Beispiel dafür ist unser Projekt am Mitarbeiterparkplatz der LWL-Klinik in Herten. Dort wurden rund 1.700 Quadratmeter mit einem zu 100 Prozent unversiegelten und begrünten Gitterpflaster ausgeführt. Dazu kamen Regiosaatgut-Flächen, zahlreiche Bäume, Sträucher und Stauden sowie eine dezentrale Regenwasserentwässerung.
So wird eine Fläche, die normalerweise stark vom Auto geprägt ist, gleichzeitig ökologischer und klimafreundlicher.
Genau solche Lösungen zeigen: Klimaanpassung muss nicht bedeuten, dass wir Städte komplett neu erfinden. Oft können wir vorhandene Flächen intelligenter gestalten.
Wo sehen Sie das größte Potenzial für Unternehmen, ihre eigenen Außenflächen, etwa Firmengelände oder Gewerbeparks, klimaresilienter zu gestalten?
Ein sehr großes Potenzial sehe ich tatsächlich auf Parkplätzen und in den Außenanlagen von Gewerbeimmobilien. Dort gibt es häufig große befestigte Flächen, die sich unter Sonneneinstrahlung stark aufheizen und bei Starkregen gleichzeitig zu Problemen führen können.
Hier kann man an mehreren Punkten ansetzen: Entsiegelung, versickerungsfähige Beläge, Baumpflanzungen, begrünte Randbereiche, Retentionsflächen und eine dezentrale Regenwasserbewirtschaftung.
Für Unternehmen hat das zusätzlich einen ganz praktischen Vorteil. Eine gute Außenanlage ist nicht nur ökologisch sinnvoll. Sie verbessert auch die Aufenthaltsqualität für Mitarbeiter und Kunden und kann einen Standort deutlich attraktiver machen.
Wir verstehen Außenanlagen deshalb ausdrücklich als mehr als nur „Grün“. Sie sollen funktionieren, gut aussehen und langfristig einen Mehrwert für den Standort schaffen.
Nachhaltige Außenanlagen müssen ökologisch und wirtschaftlich funktionieren
Wie lassen sich Klimaanpassung, Biodiversität und Aufenthaltsqualität in einem Projekt zusammenbringen, ohne dass eines davon zu kurz kommt?
Indem man nicht versucht, diese drei Themen getrennt voneinander zu betrachten. Ein gut geplantes Projekt kann gleichzeitig ökologisch wertvoll, klimaangepasst und attraktiv für Menschen sein.
Neben ökologischen Funktionen können gut geplante Außenanlagen die Aufenthaltsqualität für Mitarbeiter und Kunden erhöhen und einen Unternehmensstandort attraktiver machen. Damit können sie neben Klimaanpassung und Biodiversität auch zur langfristigen Qualität eines Standorts beitragen.
Entscheidend ist aus meiner Sicht eine gute Planung. Welche Pflanzen passen zum Standort? Wo brauchen Menschen Schatten? Wo kann Regenwasser versickern oder zurückgehalten werden? Welche Flächen müssen tatsächlich befestigt sein und wo kann Natur entstehen?
Unser Ziel ist dabei nicht, möglichst viel Wildwuchs zu produzieren. Nachhaltigkeit kann auch modern und hochwertig gestaltet sein. Entscheidend ist, dass die Gestaltung ökologisch sinnvoll und gleichzeitig alltagstauglich ist.
Für mich ist genau das die richtige Richtung: Natur, Gestaltung und Nutzung nicht gegeneinander auszuspielen, sondern gemeinsam zu denken.
Woran erkennt eine Kommune oder ein Unternehmen, dass eine Grünflächenlösung wirtschaftlich tragfähig ist und nicht nur ökologisch sinnvoll?
Eine Lösung ist dann wirtschaftlich tragfähig, wenn man nicht nur die Investitionskosten betrachtet, sondern den gesamten Lebenszyklus einer Fläche.
Was kostet eine Fläche in der Herstellung? Wie hoch ist der Pflegeaufwand? Wie langlebig sind die eingesetzten Materialien? Welche Folgekosten können durch Starkregen, Hitze oder eine notwendige spätere Umgestaltung entstehen? Und welchen Mehrwert schafft die Fläche für Mitarbeiter, Bewohner, Kunden oder die Kommune?
Genau deshalb ist eine individuelle Planung so wichtig. Es gibt nicht die eine nachhaltige Lösung, die für jedes Grundstück funktioniert.
Wir setzen bei Scheidtmann auf langfristige Partnerschaften und individuelle Lösungen. Auch bei der Pflege denken wir langfristig, beispielsweise mit planbaren Pflegekonzepten und mehrjährigen Pflegeverträgen.
Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sind für mich deshalb kein Widerspruch. Im Gegenteil: Eine gut geplante, robuste und pflegegerechte Außenanlage kann langfristig wirtschaftlicher sein als eine kurzfristig günstigere Lösung.
Nachhaltigkeit beginnt auch im eigenen Unternehmen
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit als gelebte Unternehmenskultur intern für die Scheidtmann Gruppe, etwa bei Themen wie Ressourceneffizienz?
Nachhaltigkeit darf nicht nur auf der Baustelle stattfinden. Wenn wir unseren Kunden nachhaltige Lösungen anbieten, müssen wir dieses Thema auch im eigenen Unternehmen ernst nehmen.
Deshalb haben wir bereits 2018 begonnen, uns im Rahmen von ÖKOPROFIT intensiver mit unserer eigenen Umweltleistung auseinanderzusetzen. Daraus ist unter anderem ein internes Umweltteam entstanden. Unsere ÖKOPROFIT-Partnerschaft wurde Anfang 2025 erneut zertifiziert.
Wir arbeiten beispielsweise mit Photovoltaik, setzen auf energieeffiziente Beleuchtung und haben unsere Nutzung von Akkutechnik ausgebaut. Seit 2009 nutzen wir außerdem eine Hackschnitzelanlage und heizen damit mit Holz aus eigener Produktion statt mit Öl. Auch Recyclingkonzepte und die Reduzierung von CO₂-Emissionen gehören zu unserem Ansatz.
Wichtig ist mir dabei, dass Nachhaltigkeit nicht als einzelnes Projekt verstanden wird. Sie muss Teil der täglichen Entscheidungen sein, bei der Auswahl von Technik und Materialien genauso wie bei der Planung von Projekten und im Umgang miteinander.
Für uns bedeutet Verantwortung deshalb nicht nur Verantwortung für die Umwelt, sondern genauso für unsere Mitarbeiter, unsere Kunden und unsere Region.
Wenn Sie eine Prognose wagen: Wie wird sich die Bedeutung grüner Außenräume für Städte und Unternehmen in den nächsten zehn Jahren entwickeln?
Ich bin überzeugt, dass grüne Außenräume in den kommenden zehn Jahren deutlich an Bedeutung gewinnen werden. Nicht als Luxus, sondern als notwendiger Bestandteil einer zukunftsfähigen Stadt- und Unternehmensentwicklung.
Wir werden uns mit mehr Hitze, längeren Trockenperioden und gleichzeitig häufiger auftretenden Starkregenereignissen auseinandersetzen müssen. Dadurch wird die Frage, wie wir mit Außenflächen umgehen, immer wichtiger.
Für Kommunen bedeutet das, Grünräume stärker als Teil ihrer Infrastruktur zu betrachten. Für Unternehmen wird die Qualität ihrer Außenflächen ebenfalls wichtiger werden, nicht zuletzt, weil attraktive, klimaangepasste Standorte einen Beitrag zur Aufenthaltsqualität und damit auch zur Attraktivität als Arbeitgeber leisten können.
Ich glaube außerdem, dass sich unser Verständnis von Nachhaltigkeit weiter verändern wird. Es wird weniger darum gehen, einzelne ökologische Maßnahmen nachträglich auf ein Projekt zu setzen. Nachhaltigkeit wird zunehmend schon am Anfang der Planung stehen.
Für Scheidtmann ist das eigentlich eine logische Entwicklung. Wir sagen seit Jahren: „Wir bauen Heimat.“ Damit verbinden wir die Verantwortung, Lebensräume zu schaffen, die auch langfristig funktionieren und lebenswert bleiben. Tradition, Innovation, Nachhaltigkeit und Verantwortung gehören für uns zusammen.
Wenn wir in zehn Jahren auf unsere Städte schauen, wünsche ich mir deshalb nicht einfach mehr Grün, sondern besser geplante grüne Lebensräume. Räume, die Menschen verbinden, die Natur stärken und gleichzeitig Antworten auf die Herausforderungen des Klimawandels geben.
Grüne Außenräume werden Teil moderner Infrastruktur
Das Gespräch zeigt, wie stark sich die Rolle des Garten- und Landschaftsbaus verändert. Grünflächen sind nicht mehr allein gestalterisches Element. In dicht bebauten Städten und auf großen Unternehmensflächen können sie Teil der Antwort auf Hitze, Starkregen und zunehmende Flächenversiegelung sein.
Dabei geht es nicht zwangsläufig um spektakuläre Großprojekte. Gerade bestehende Parkplätze, Gewerbeflächen und Außenanlagen bieten Möglichkeiten für Entsiegelung, Beschattung, Bepflanzung und eine dezentrale Regenwasserbewirtschaftung.
Für Unternehmen und Kommunen kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Nachhaltige Außenräume müssen langfristig funktionieren. Pflegeaufwand, Haltbarkeit, Nutzung und Folgekosten gehören deshalb ebenso in die Planung wie Biodiversität und Klimaanpassung. Damit wird die Frage nach grünen Außenräumen zunehmend zu einer strategischen Frage der Standortentwicklung.
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Zur Person
Florian Scheidtmann
Geschäftsführer der Scheidtmann Gruppe
Florian Scheidtmann führt das Familienunternehmen in fünfter Generation weiter. Die Geschichte des Unternehmens reicht bis ins Jahr 1910 zurück. Sein Ansatz verbindet die Tradition des Garten- und Landschaftsbaus mit moderner Technik, nachhaltiger Planung und der Entwicklung langfristig nutzbarer grüner Lebensräume.
Über das Unternehmen
Die Scheidtmann Gruppe mit Sitz in Marl ist im Garten- und Landschaftsbau tätig. Das Unternehmen plant, realisiert und pflegt Außenanlagen und verbindet dabei traditionelles Handwerk mit modernen Lösungen für nachhaltige und klimaangepasste Freiräume.
Zu den Schwerpunkten gehören unter anderem Entsiegelung, Begrünung, Regenwasserbewirtschaftung, klimaresiliente Außenanlagen sowie langfristige Pflegekonzepte.
Kontakt / Website
Scheidtmann Gruppe
Auf Höwings Feld 234
45770 Marl
Telefon: 02365 9737-19
E-Mail: f.scheidtmann@scheidtmann.green
Website: www.scheidtmann.green
Häufige Fragen zu klimaresilienten Außenanlagen
Was bedeutet Klimaanpassung bei Außenanlagen?
Klimaanpassung bedeutet, Außenflächen so zu planen oder umzugestalten, dass sie besser mit Hitze, Trockenheit und Starkregen umgehen können. Dazu gehören beispielsweise Entsiegelung, Beschattung durch Bäume, versickerungsfähige Beläge und die dezentrale Bewirtschaftung von Regenwasser.
Wie können Unternehmen ihre Parkplätze klimaresilienter gestalten?
Große versiegelte Parkplatzflächen bieten erhebliches Potenzial. Möglich sind unter anderem versickerungsfähige Beläge, zusätzliche Bäume, begrünte Randbereiche, Retentionsflächen und Lösungen, bei denen Regenwasser direkt vor Ort aufgenommen oder zurückgehalten wird.
Welche Rolle spielen Bäume bei der Klimaanpassung?
Bäume schaffen Schatten und können dadurch die Aufenthaltsqualität auf Außenflächen verbessern. Gemeinsam mit entsiegelten und begrünten Flächen sowie einer geeigneten Regenwasserbewirtschaftung bilden sie einen wichtigen Bestandteil klimaangepasster Außenräume.
Sind nachhaltige Außenanlagen automatisch teurer?
Die reinen Investitionskosten reichen für eine solche Bewertung nicht aus. Entscheidend sind auch Pflegeaufwand, Lebensdauer der Materialien und mögliche spätere Folgekosten. Eine robuste und pflegegerecht geplante Außenanlage kann deshalb langfristig wirtschaftlicher sein als eine zunächst günstigere Lösung.
Warum werden Grünflächen für Unternehmen wichtiger?









