Seit über 30 Jahren beschäftigt sich Matthias Mend mit dem Thema Wasser, wissenschaftlich, technisch und praktisch. Als Attaché der UNIDO und Beirat der Swiss Health Alliance berät er Unternehmen und Gesundheitsorganisationen zu ihren Wasserkonzepten, ist Autor des Buchs Wasser, das Superelement, und betreibt mit FirmaMend GmbH seit 2009 seine eigene Beratungspraxis in Männedorf, Schweiz. Im Interview spricht er über die Bedeutung von Wasserqualität für Gesundheit und Wirtschaft, über PFAS und Mikroplastik im Trinkwasser, und darüber, warum aus seiner Sicht die einfachste Lösung meistens die beste ist.
Der Weg zum Wasser-Experten
Matthias, Du beschäftigst Dich seit über 30 Jahren mit Wasser. Wie bist Du zum Wasser-Experten geworden, und was hat Dich auf diesen Weg gebracht?
Mein Weg begann ursprünglich gar nicht mit Wasser, sondern mit der Frage, warum manche Menschen ihre Gesundheit dauerhaft erhalten und andere trotz modernster Medizin immer häufiger chronische Beschwerden entwickeln.
Vor über 30 Jahren begann ich mich nach der Lektüre eines Buchs mit dem Titel Sie sind nicht krank, sie sind durstig intensiv mit den Grundlagen der Gesundheit zu beschäftigen. Dabei wurde mir klar, dass Wasser weit mehr ist als ein Durstlöscher. Es ist unser wichtigstes Lebensmittel überhaupt. Jede einzelne Zelle unseres Körpers ist auf Wasser angewiesen. Trotzdem schenken wir der Qualität von Wasser erstaunlich wenig Aufmerksamkeit.
Seitdem beschäftige ich mich mehr oder weniger täglich mit Wasser, wissenschaftlich, technisch und praktisch. Ich durfte mit Forschern, Ingenieuren, Ärzten und Therapeuten zusammenarbeiten, habe unzählige Wasserproben, Systeme und Anwendungen kennengelernt und Tausende Gespräche mit Anwendern geführt.
Je tiefer ich eingestiegen bin, desto deutlicher wurde mir, Wasser ist das am meisten unterschätzte Zukunftsthema unserer Gesellschaft, sowohl für unsere Gesundheit als auch für Nachhaltigkeit, Wirtschaft und Lebensqualität.
Müdigkeit trotz ausreichend Wasser
Viele Menschen trinken ausreichend Wasser und fühlen sich trotzdem oft müde oder unkonzentriert. Woran liegt das aus Deiner Erfahrung?
Die Trinkmenge allein entscheidet nicht darüber, wie gut unser Körper versorgt ist. Natürlich ist es wichtig, ausreichend zu trinken. Gleichzeitig spielen viele weitere Faktoren eine Rolle, der Zeitpunkt des Trinkens, die Wasserqualität, Schlaf, Bewegung, Ernährung, Stress, Stoffwechsel und unsere individuelle Gesundheit.
Die Qualität des Wassers wird oft nur chemisch definiert. Dabei wird vergessen, dass es bio-physikalische Parameter sind, die das Wasser zu einem Lebenselixier machen. Unser Leitungswasser gehört in vielen Regionen Europas zwar zu den am besten kontrollierten Lebensmitteln. Gleichzeitig finden wir heute zunehmend Spurenstoffe wie PFAS, TFA, Mikroplastik, Arzneimittelrückstände oder Pestizidmetaboliten, die in der öffentlichen Diskussion um die Folgen für unsere Gesundheit immer stärker in den Fokus rücken.
Aus meiner Erfahrung trinken Menschen deutlich regelmäßiger und oft auch mehr, wenn ihnen ihr Wasser geschmacklich wirklich zusagt. Schon diese einfache Veränderung kann dazu beitragen, den Flüssigkeitshaushalt im Alltag besser aufrechtzuerhalten.
Wasser löst nicht jedes Gesundheitsproblem. Es bildet jedoch eine der wichtigsten Grundlagen dafür, dass unser Organismus optimal funktionieren kann.
Leitungswasser und lebendiges Wasser
Was unterscheidet gewöhnliches Leitungswasser von dem, was Du als quellfrisches oder lebendiges Wasser bezeichnest?
Leitungswasser ist zunächst einmal ein hervorragender Rohstoff. Es wird technisch aufbereitet und mehr oder weniger sicher unter hohem Druck bis ins Gebäude transportiert. Der Unterschied beginnt häufig erst auf den letzten Metern. Dort beeinflussen Hausinstallationen, Armaturen, Stagnationszeiten und mögliche Belastungen durch den Kontakt mit verschiedenen Materialien die tatsächliche Wasserqualität am Wasserhahn.
Wenn ich von quellfrischem Wasser spreche, meine ich deshalb Wasser, das möglichst sauber, frisch, angenehm schmeckend und naturnah ist. Ziel soll es sein, die Wasserqualität dort zu optimieren, wo sie tatsächlich genutzt wird, direkt am Wasserhahn.
Dabei geht es nicht darum, Wasser künstlich zu verändern, sondern möglichst viele störende Einflüsse zu reduzieren und gleichzeitig Eigenschaften zu fördern, die Menschen aus natürlichen Quellen kennen, Frische, Klarheit, Struktur, einen angenehmen Geschmack und eine optimale Zellaufnahmefähigkeit.
Je einfacher, nachhaltiger und energieeffizienter diese Lösungen funktionieren, desto besser.
PFAS und Mikroplastik im Trinkwasser
Themen wie PFAS, Mikroplastik oder TFA im Trinkwasser sorgen aktuell für viel Diskussion. Wie schätzt Du die Situation für Unternehmen und Privathaushalte ein, und was kann man konkret tun?
Die Diskussion ist mehr als berechtigt. Wir verfügen heute über deutlich empfindlichere Analysemethoden als noch vor wenigen Jahren. Dadurch entdecken wir Stoffe, die früher schlicht nicht messbar waren.
Das bedeutet nicht automatisch, dass überall akute Gesundheitsgefahren bestehen. Es zeigt jedoch, dass unser Wasserkreislauf zunehmend mit langlebigen Industriechemikalien belastet wird. Ich sehe deshalb zwei Aufgaben. Erstens müssen wir die Ursachen angehen und den Eintrag solcher Stoffe in die Natur zukünftig konsequent reduzieren. Zweitens müssen Unternehmen und Privathaushalte dort, wo es sinnvoll ist, Verantwortung zum Schutz der Mitarbeiter und Bewohner für ihr eigenes Trinkwasser übernehmen. Moderne Veredelungssysteme können, abhängig von ihrer Technologie, viele dieser Stoffe deutlich reduzieren oder unwirksam machen.
Entscheidend ist dabei immer, die passende Lösung für die jeweilige Ausgangssituation auszuwählen und nicht jeder technischen Mode zu folgen.
Von der Analyse bis zur Umsetzung
Du arbeitest seit vielen Jahren mit Unternehmen und Gesundheitsorganisationen an deren Wasserkonzepten. Wie sieht so ein Prozess bei Dir aus, vom ersten Gespräch bis zur Umsetzung?
Jede Situation ist anders. Deshalb beginnt unsere Arbeit immer mit einer Analyse der Ausgangslage. Dafür habe ich eine eigene Checkliste erstellt. Dabei werden unter anderem die vorhandene Trinkwasserqualität, die Gebäudetechnik, der Bedarf der Nutzer, mögliche Belastungen sowie die Ziele des Unternehmens oder Privathaushalts betrachtet.
Darauf aufbauend entwickeln wir ein individuelles Konzept. Dabei geht es nie nur um Filtration. Ebenso wichtig sind Nachhaltigkeit, Wartungsaufwand, Energieverbrauch, Betriebskosten, Benutzerfreundlichkeit und die langfristige Versorgungssicherheit.
Mein Grundsatz lautet dabei seit vielen Jahren, die beste Lösung ist meistens die einfachste. Wenn sich hochwertiges Trinkwasser ohne komplizierte Technik, ohne Plastik, ohne Chemie, ohne unnötigen Energieverbrauch und mit möglichst wenig Wartung bereitstellen lässt, profitieren Unternehmen, Mitarbeitende, Familie und Natur gleichermaßen.
Wunsch für die Zukunft
Was wünschst Du Dir für die Zukunft im Umgang mit unserem wichtigsten Lebensmittel Wasser?
Ich wünsche mir, dass Wasser endlich den Stellenwert erhält, den es verdient. Wir diskutieren heute intensiv über Ernährung, Energie oder Klimaschutz. Dabei hängt all das unmittelbar vom Wasser ab. Ohne sauberes Wasser gibt es keine gesunden Lebensmittel, keine leistungsfähige Wirtschaft, keine nachhaltige Industrie und keine funktionierenden Ökosysteme.
Ich wünsche mir außerdem, dass wir wieder stärker auf einfache, nachhaltige Lösungen setzen. Wir sollten Wasser nicht unnötig um die halbe Welt transportieren oder immer komplexere Systeme entwickeln, wenn vielerorts bereits hochwertiges Leitungswasser vorhanden ist.
Mein Wunsch ist eine Gesellschaft, die Wasser wieder als das betrachtet, was es tatsächlich ist, als unser wertvollstes Lebensmittel und eine der wichtigsten Ressourcen unserer Zukunft.









